Tadej Pogačars "Wundermittel": Laktat-Gels im knallharten Faktencheck

Tadej Pogačars "Wundermittel": Laktat-Gels im knallharten Faktencheck

Tadej Pogačar dominiert die Tour de France und plötzlich spricht die ganze Fahrrad-Welt über ein neues Geheimnis: Laktat-Gels. Das Molekül, das 50 Jahre lang als Abfallprodukt galt, steckt jetzt in den teuersten Gels der Profis. Wir haben nachgerechnet statt nacherzählt – und dabei drei Zahlen gefunden, die in keinem anderen Artikel zum Thema stehen.

Coach Claudio · Aktualisiert 29. Juli 2026 · 3 Studien ausgewertet

Kurz und sachlich

Ein Laktat-Gel ist ein Sportgel, das neben Kohlenhydraten zusätzlich Laktat in Salzform enthält – meist als Natriumlaktat, Kaliumlaktat oder Calciumlaktat. Die Idee dahinter: Laktat wird über Monocarboxylat-Transporter (MCT-Transporter) aufgenommen und könnte damit einen dritten Aufnahmeweg neben Glukose (SGLT1) und Fruktose (GLUT5) öffnen.

Der Ansatz befindet sich in der Testphase. Die bekannten Produkte – ExoLactate, Enervit C2:1 Pro Lactate Gel Mix und Santamadre Lactate 60 – sind bisher überwiegend im Profibereich im Einsatz und nicht regulär im Handel. Kontrollierte Humanstudien zu exogenem Laktat existieren nur in einer Handvoll, und die methodisch beste fand bei realistischer Dosis keine Leistungsverbesserung.

Wichtige Abgrenzung: Ein Laktat-Gel ist kein Puffer-Produkt. Präparate mit Natriumcitrat oder Natriumbikarbonat – im Handel oft als „Lactate Buffer“ bezeichnet – enthalten kein Laktat. Sie verschieben die Säure-Basen-Lage und werden häufig fälschlich derselben Kategorie zugeordnet. Ein Laktat-Gel liefert das Laktat-Anion selbst, ein Puffer-Produkt liefert Bikarbonat-Vorstufen. Zwei verschiedene Konzepte, zwei verschiedene Datenlagen.

Warum Pogačars Laktat-Gel allein kein Rennen gewinnt (Der Punkt, den alle übersehen)

Ein ExoLactate-Beutel enthält rund 40g Kohlenhydrate und rund 5g Laktat. Die Kohlenhydrate liefern rund 160 kcal, das Laktat rund 18 kcal. Im selben Beutel steckt neunmal so viel Energie in den Kohlenhydraten wie im Laktat. Die 40 Gramm sind der Motor. Die 5 Gramm sind die Diskussion.

Vom Feindbild zum Superfuel: der Laktat-Shuttle

Wer in den Achtzigern Sport studiert hat, hat gelernt: Laktat entsteht bei Sauerstoffmangel, säuert den Muskel an und ist der Grund, warum es im Intervall brennt. Zwei von drei Teilen dieser Aussage sind falsch.

Laktat entsteht auch unter vollständig aeroben Bedingungen fortlaufend. Es ist kein Notfallprodukt, sondern ein permanenter Bestandteil des Energiestoffwechsels. Und was im harten Intervall brennt, sind Wasserstoff-Ionen aus der ATP-Hydrolyse – nicht das Laktat. Das Laktat-Anion wirkt sogar leicht puffernd. Es wurde jahrzehntelang für etwas verantwortlich gemacht, das zeitgleich neben ihm entstand.

George Brooks von der University of California Berkeley hat diesen Irrtum in den 1980er-Jahren aufgelöst und den Begriff Laktat-Shuttle geprägt: Laktat wird zwischen Zellen, Geweben und Organen verschoben und dort verwertet, wo Energie gebraucht wird. Herz, Gehirn und oxidative Muskelfasern nehmen es auf, wandeln es mitochondrial zu Pyruvat um und speisen es in den Citratzyklus ein. Zusätzlich dient es als Substrat der Gluconeogenese in der Leber und als Signalmolekül.

Der Laktat-Shuttle im Überblick

Laktat-Quellen:

  • Glykolytische Faser – Typ II, hohe Intensität – produziert Laktat
  • Darm (Enterozyt) – nach Kohlenhydratzufuhr – enterische Phase
  • Exogenes Laktat (Gel) – Laktat-Salz, oral zugeführt – MCT-Transporter · hypothetisch

Blut · Laktat-Shuttle → Verwertung:

  • Oxidative Faser – Typ I, Nachbarfaser – verbrennt Laktat
  • Herz – bevorzugtes Substrat – Citratzyklus
  • Gehirn – unter Belastung – Energiequelle
  • Leber – Gluconeogenese → Glukose

Laktat-Shuttle: In der Grafik stehen durchgezogene Pfeile für belegte Stoffwechselwege. Der gestrichelte Kasten ist die Hypothese, um die es in diesem Artikel geht – die orale Zufuhr von Laktat als zusätzliche Energiequelle.

Die Bausteine

Laktat-Shuttle

Transportform, keine Sackgasse. Laktat wird zwischen Zellen, Geweben und Organen verschoben. Herz, Gehirn und oxidative Muskelfasern nehmen es auf, wandeln es mitochondrial zu Pyruvat und speisen es in den Citratzyklus ein. George Brooks hat das in den 1980er-Jahren beschrieben.

Was wirklich brennt

Wasserstoff-Ionen, nicht Laktat. Das Brennen im Intervall stammt von Wasserstoff-Ionen aus der ATP-Hydrolyse. Das Laktat-Anion wirkt sogar leicht puffernd. Es wurde jahrzehntelang für etwas verantwortlich gemacht, das zeitgleich neben ihm entstand.

SGLT1

Gesättigt bei rund 60g/h. Glukose, Maltodextrin und Highly Branched Cyclic Dextrin teilen sich einen Transporter. Der ist bei rund 60g pro Stunde dicht. Alles darüber bleibt im Darm, zieht Wasser und wird zum Problem.

GLUT5

Fruktose, eigener Weg. Fruktose nutzt einen komplett unabhängigen Transporter. Kombiniert mit Glukose im Verhältnis 1:0.8 steigt die verwertbare Zufuhrrate auf 90 bis 120g pro Stunde. Das ist belegt und in jedem guten Wettkampfgel umgesetzt.

MCT-Transporter

Der dritte Weg – hypothetisch. Monocarboxylat-Transporter nehmen Laktat auf. Dass der Transporter existiert, ist unstrittig. Wie viel oral zugeführtes Laktat darüber tatsächlich aufgenommen wird und ob daraus Leistung entsteht, ist beim Menschen nicht belastbar publiziert.

Das Gegenion

Laktat kommt nie allein. Laktat wird als Salz zugesetzt – und jedes Salz bringt sein Gegenion mit. 5g Laktat als reines Natriumlaktat entsprächen rund 1'300mg Natrium pro Gel. Das ist rund das Fünffache eines normalen Wettkampfgels.

2024 kam ein weiteres Puzzleteil dazu. Leija und Kollegen zeigten in Nature Metabolism etwas Überraschendes: Nach einem oralen Glukose-Toleranz-Test stieg die Laktat-Konzentration im Blut vor der Glukose-Konzentration. Die Interpretation: Der Darm verstoffwechselt einen Teil der Glukose direkt zu Laktat, bevor sie überhaupt die Leber erreicht. Erst danach folgt eine zweite, grössere systemische Phase parallel zur hepatischen Glukose-Freisetzung.

Eine wichtige Präzisierung, weil sie in mehreren Artikeln zum Thema falsch wiedergegeben wird: Das war ein standardisierter Glukose-Toleranz-Test, keine normale Mahlzeit. Der Befund ist trotzdem stark – er zeigt, dass Laktat im Kohlenhydratstoffwechsel eine viel zentralere Rolle spielt als angenommen. Er zeigt aber nicht, dass zugeführtes Laktat leistungswirksam ist. Das sind zwei verschiedene Fragen.

100 Jahre Laktat-Verständnis

Frühes 20. Jahrhundert: Laktat als Ermüdungsursache

Die klassische Lehrmeinung verknüpft Milchsäure mit Sauerstoffmangel und Muskelermüdung. Diese Deutung prägt Sportlehrbücher für Jahrzehnte.

1980er-Jahre: George Brooks formuliert den Laktat-Shuttle

Laktat wird als Transportform von Energie zwischen Geweben beschrieben – nicht als Sackgasse, sondern als Drehscheibe.

2018: Der Shuttle im Lehrbuch

Brooks fasst die Theorie in Cell Metabolism zusammen. Laktat gilt jetzt als Substrat, Signalmolekül und Vorstufe der Gluconeogenese.

2024: Der postprandiale Shuttle

Leija et al. zeigen: Nach oraler Glukosegabe steigt Laktat vor Glukose. Der Darm ist selbst eine Laktatquelle.

2024: Die ersten kontrollierten Supplementstudien

Bordoli und Ewell testen exogenes Laktat gegen Placebo. Die Ergebnisse fallen deutlich nüchterner aus als die Erwartung.

Juli 2026: Laktat-Gels im Peloton

An der Tour de France tauchen gleich mehrere Laktat-Produkte auf. Die Berichterstattung überholt die Datenlage deutlich.

Warum überhaupt ein dritter Transportweg?

Um zu verstehen, warum überhaupt jemand auf die Idee kommt, Laktat in ein Gel zu packen, muss man den Engpass kennen. Er sitzt nicht im Muskel, sondern im Darm.

Glukose und Glukose-Polymere wie Maltodextrin oder Highly Branched Cyclic Dextrin (HBCD) werden über den Transporter SGLT1 aufgenommen. Der ist bei rund 60g pro Stunde gesättigt – mehr geht durch dieses Tor nicht, egal wie viel du isst. Alles darüber bleibt im Darm, zieht Wasser und wird zum Problem.

Der Ausweg ist seit Jahren bekannt und in jedem guten Wettkampfgel umgesetzt: Fruktose nutzt mit GLUT5 einen komplett eigenen Transporter. Kombiniert man beide im richtigen Verhältnis – Carb-Ratio 1:0.8 gilt als aktueller Standard – steigt die verwertbare Zufuhrrate auf 90 bis 120g pro Stunde. Das ist keine Theorie, das ist die Grundlage moderner Wettkampfverpflegung.

Und genau hier setzt die Laktat-Idee an: Laktat wird über Monocarboxylat-Transporter aufgenommen, also über ein drittes, theoretisch unabhängiges System. Wenn zwei Tore die Zufuhr auf 120g pro Stunde heben – was schafft dann ein drittes? Die Logik ist sauber. Die Frage ist nur, wie viel durch dieses dritte Tor überhaupt passt und ob am Ende Leistung dabei herauskommt.

Drei Tore vom Darmlumen ins Blut

Substrat Transporter Status Kapazität
Glukose · Maltodextrin · HBCD SGLT1 belegt gesättigt bei ~60g/h
Fruktose (eigener Weg) GLUT5 belegt zusammen 90–120g/h
Laktat (Salzform, exogen zugeführt) MCT Hypothese Menge unklar, Effekt offen – keine belastbare Zufuhrrate publiziert

Drei Tore in den Blutkreislauf: Zwei davon sind quantifiziert, dosierbar und heute im Handel. Das dritte ist physiologisch plausibel, aber weder in seiner Kapazität noch in seinem Leistungseffekt belegt.

Transporter im Detail

SGLT1

  • Substrat: Glukose, Maltodextrin, Highly Branched Cyclic Dextrin
  • Sättigung: rund 60g pro Stunde
  • Status: vielfach quantifiziert, Grundlage jeder Verpflegungsstrategie

Wer nur Maltodextrin fährt, sitzt bei etwa 60g pro Stunde in der Sackgasse – unabhängig davon, wie viele Gels er noch aufreisst.

GLUT5

  • Substrat: Fruktose
  • Sättigung: eigener, von SGLT1 unabhängiger Weg
  • Status: belegt, in Produkten umgesetzt

Die Aufnahmekapazität für Fruktose lässt sich trainieren. Der Darm ist ein anpassungsfähiges Organ – das wird konsequent unterschätzt.

Kombiniert

  • Kombination: Glukose plus Fruktose parallel
  • Zufuhrrate: 90 bis 120g pro Stunde je nach Verhältnis und Trainingszustand des Darms
  • Standard: Carb-Ratio 1:0.8, bei sehr hohen Raten auch 2:1

Hier liegt für 95 Prozent aller Ausdauersportler der real nutzbare Hebel – nicht bei einem vierten Molekül.

MCT

  • Substrat: Laktat als Anion, zugeführt als Natriumlaktat, Kaliumlaktat oder Calciumlaktat
  • Sättigung: für die orale Zufuhr beim Menschen nicht publiziert
  • Status: physiologisch plausibel, in seiner Leistungswirkung nicht belegt

Der Transporter existiert. Dass ein Transporter existiert, heisst aber nicht, dass eine Zufuhr darüber leistungsrelevant ist.

Was ExoLactate ist – und was Enervit und Santamadre sind

ExoLactate stammt von From Lab to Field, dem Projekt des spanischen Sportphysiologen Aitor Viribay. Ein Beutel enthält nach Produktvorstellung rund 40g Kohlenhydrate und rund 5g Laktat. Die genannte Zieldosis liegt bei 10 bis 25g Laktat pro Stunde. Das Produkt ist nicht frei im Handel, sondern befindet sich in einer Testphase mit Profi-Teams.

Die eigentliche technische Leistung liegt nicht in der Idee, sondern in der Formulierung: freies Laktat schmeckt salzig-mineralisch und ist in einer stabilen Gel-Matrix schwer unterzubringen. Genau daran sind frühere Ansätze gescheitert. Dass es hier gelungen ist, verdient Anerkennung – unabhängig davon, wie man den Wirkungsanspruch bewertet.

Was in der deutschsprachigen Berichterstattung fast durchgängig fehlt: ExoLactate ist nicht das einzige Produkt dieser Art. Es sind mindestens drei – und ausgerechnet das Team, das die Tour dominiert hat, fuhr ein anderes.

Die Produktlandschaft exogenes Laktat

Produkt Hersteller Form Bemerkung
ExoLactate From Lab to Field (Aitor Viribay) Gel 40g Kohlenhydrate + 5g Laktat, Testphase, an der Tour bei Lidl-Trek
C2:1 Pro Lactate Gel Mix Enervit Getränkepulver mit George Brooks mitentwickelt, zwei Saisons getestet, von UAE eingesetzt
Lactate 60 Santamadre Gel zweites spanisches Produkt derselben Welle

Die Korrektur, die sonst nirgends steht: Es kursiert die Andeutung, ExoLactate sei „das Tour-Gel“. Das Team von Tadej Pogačar hat kein ExoLactate gefahren, sondern das Enervit-Produkt. Wer eine Marke über die Erfolge eines Teams begründet, sollte zumindest das richtige Team nennen.

Herstellerangaben, sauber getrennt: Was behauptet wird – und wer es behauptet

Behauptung Quelle Einordnung
Rund 8% Leistungsverbesserung bei simulierten Bergetappen Entwickler selbst unpubliziert, sehr kleine Stichprobe, laut Beschreibung von wenigen Ausreissern getragen, keine erkennbare Kontrollgruppe
Ein WorldTour-Team sicherte sich die gesamte erste Produktionscharge Medienbericht unbestätigt
„Das beste und reinste Substrat für den Körper“ Entwickler-Zitat in der Presse Marketing, keine überprüfbare Aussage

Keine dieser Aussagen ist eine Studie. Wenn sie im Artikel vorkommen, dann als das, was sie sind: Angaben des Herstellers und Entwicklers, der das Produkt gleichzeitig verkauft.

Jetzt rechnen wir nach

Ab hier wird es interessant, weil ab hier kein anderer Artikel zum Thema mehr mitkommt. Drei Rechnungen, alle mit den öffentlich genannten Produktzahlen, alle nachvollziehbar. Sie verändern das Bild vollständig.

Die Energie-Bilanz: 18 kcal gegen 160 kcal

Laktat hat eine Energiedichte von rund 3,6 kcal pro Gramm. Kohlenhydrate liefern rund 4 kcal pro Gramm. Setzt man das in einen Beutel ein, entsteht ein Verhältnis, das die Erzählung vom „dritten Energiepfad“ ziemlich schnell relativiert.

  • Energie pro Beutel: 5g Laktat = 18 kcal; 40g Kohlenhydrate = 160 kcal
  • Pro Stunde: 25g Laktat (volle Zieldosis) = 90 kcal/h; Bedarf harte Renneinheit = 900–1300 kcal/h
  • Anteil Laktat am Gesamtbedarf: rund 7 bis 10 Prozent

Der dritte Energiepfad deckt selbst bei voller Zieldosis unter einem Zehntel des Bedarfs. Das ist keine Revolution – das ist eine Randnotiz mit hervorragender Pressearbeit.

Rechnung 1 · Energie-Bilanz

Position Wert
Energiedichte Laktat rund 3,6 kcal/g
Laktat pro Gel (5g) rund 18 kcal
Kohlenhydrate pro Gel (40g) rund 160 kcal
Volle Zieldosis Laktat, 25g/h rund 90 kcal/h
Realer Verbrauch, harte Renneinheit rund 900 bis 1300 kcal/h
Anteil Laktat am Bedarf rund 7 bis 10%

Die Dosis geht nicht auf

Die zweite Rechnung ist die unbequemere. Der Hersteller nennt eine Zieldosis von 10 bis 25g Laktat pro Stunde. Gleichzeitig enthält ein Beutel 5g Laktat – und zwangsläufig 40g Kohlenhydrate. Beide Zahlen stehen nebeneinander. Verknüpft werden sie nirgends.

So rechnet der Dosis-Rechner: Gels nötig = Ziel-Laktat pro Stunde geteilt durch 5g; Kohlenhydrate pro Stunde = Gels × 40g; Natrium pro Stunde* = Gels × rund 1'290mg.

  • Bis 80g Kohlenhydrate pro Stunde – Machbar. Beispiel 10g/h Laktat: 2 Gels, 80g Kohlenhydrate/h, 2'600mg Natrium/h*. 80g Kohlenhydrate pro Stunde sind für einen trainierten Darm gut verträglich. In diesem Bereich funktioniert das Konzept rechnerisch.
  • Bis 120g Kohlenhydrate pro Stunde – Oberes Limit. Diese Mengen erreichen nur sehr gut trainierte Därme – und das nur mit optimaler Carb-Ratio. Rechnerisch möglich, praktisch bereits am Anschlag.
  • Über 120g Kohlenhydrate pro Stunde – Nicht machbar. Diese Mengen verträgt kein Darm. Genau hier bricht die Herstellerempfehlung in sich zusammen: Die obere Hälfte der eigenen Zieldosis ist über das eigene Produkt gar nicht erreichbar.

* Zur Natrium-Zahl: gerechnet als wäre das Laktat vollständig als Natriumlaktat enthalten. Die tatsächlich verwendete Salzform ist vom Hersteller nicht deklariert. Die Zahl zeigt die Grössenordnung des Formulierungsproblems – sie ist ausdrücklich keine Angabe über die reale Zusammensetzung eines konkreten Produkts.

Rechnung 2 · Zieldosis gegen Kohlenhydratlast

Ziel Laktat/h Gels nötig Kohlenhydrate/h Machbar?
10g 2 80g ja
15g 3 120g oberes Limit
20g 4 160g nein
25g 5 200g nein

Die Aussage: Die obere Hälfte der eigenen Dosis-Empfehlung ist über das eigene Produkt gar nicht erreichbar – jedenfalls nicht, ohne die Kohlenhydratzufuhr in einen Bereich zu treiben, den kein Darm verträgt. 200g Kohlenhydrate pro Stunde sind kein ambitioniertes Ziel, sondern ein garantierter Rennabbruch.

Die Salz-Frage

Die dritte Rechnung ist die, die in der Produktentwicklung vermutlich am meisten Nerven gekostet hat. Laktat kommt nicht als freie Säure ins Gel – Milchsäure wäre geschmacklich nicht zumutbar und als Laktatquelle unsinnig. Es kommt als Salz. Und jedes Salz bringt sein Gegenion mit.

Das Laktat-Anion hat eine molare Masse von 89,07g/mol. 5g Laktat entsprechen rund 0,056 mol. Rechnet man das auf die möglichen Salzformen um, entsteht folgendes Bild – als Modellrechnung mit offengelegter Annahme, nicht als Aussage über ein bestimmtes Produkt:

Rechnung 3 · Mineralstofflast pro Gel bei 5g Laktat

Wenn vollständig als … dann pro Gel zusätzlich zum Vergleich
Natriumlaktat rund 1'300mg Natrium ein normales Wettkampfgel liefert rund 250mg Natrium
Kaliumlaktat rund 2'200mg Kalium Kaliumzufuhr muss mitgerechnet werden
Calciumlaktat rund 1'100mg Calcium technisch anspruchsvoll im Gel, körniger Geschmack

Die Aussage: Eine reine Natriumlaktat-Lösung brächte pro Gel rund die fünffache Natriumlast eines normalen Wettkampfgels mit – bei drei Gels pro Stunde knapp 4'000mg Natrium. Genau deshalb arbeiten solche Produkte mit Salz-Mischungen. Und genau deshalb ist die Elektrolyt-Bilanz hier kein Nebenschauplatz, sondern das eigentliche Formulierungsproblem.

Der Kern in drei Zahlen

Kennzahl Wert Bezug
Energie 18 kcal Laktat pro Gel gegen 160 kcal Kohlenhydrate
Dosis 200g Kohlenhydrate/h nötig für 25g Laktat
Anteil 10% des Energiebedarfs bei voller Zieldosis

Was die Studien wirklich sagen

In der PubMed-Literatur existiert nur eine Handvoll Humanstudien zu exogenem Laktat. Diese Dünne ist selbst eine Aussage – bei einem Produkt, das mit klaren Prozentzahlen beworben wird, sollte mehr dastehen. Zwei Arbeiten aus dem Jahr 2024 sind relevant.

Der stärkste Einzelbefund: Bordoli et al. 2024 – keine Leistungsverbesserung bei 120mg/kg

J Funct Morphol Kinesiol · 16 ausdauertrainierte Radfahrer · Placebo-kontrolliert · doi.org/10.3390/jfmk9030139

120mg Laktat pro Kilogramm Körpergewicht oder Placebo, 70 Minuten vor einem Protokoll aus fünf Blöcken mit 1-km- und 4-km-Zeitfahren. Für 75kg sind das rund 9g Laktat – eine realistische, produktnahe Dosis.

  • Keine Leistungsverbesserung
  • Säure-Basen-Lage messbar verbessert: Bikarbonat und Strong Ion Difference gestiegen
  • Anstrengungsempfinden signifikant gesenkt
  • Gastrointestinale Nebenwirkungen beobachtet

Fazit der Autoren: Die alkalisierende Wirkung senkt das Anstrengungsempfinden – das übersetzt sich aber nicht in Leistung.

Zweite Studie: Ewell et al. 2024 – winzige Dosis, gemischtes Ergebnis

Nutrients · 15 Freizeitsportler · doppelblind, randomisiert, Crossover · doi.org/10.3390/nu16162624

Kommerzielles Laktat-Supplement, Dosis nur 19mg/kg – für 75kg rund 1,4g Laktat.

  • Kein Effekt auf VO2peak
  • Kein Effekt auf die ventilatorische Schwelle
  • Kein Effekt auf die Leistung an der Laktatschwelle
  • +4% Leistung im 20-Minuten-Zeitfahren

Die entscheidende Einordnung: 1,4g Laktat entsprechen rund 5 kcal. Ein Brennstoff-Effekt ist bei dieser Menge energetisch ausgeschlossen – das ist weniger Energie als in einem halben Zuckerwürfel. Was hier gewirkt hat, war Puffer, Signal oder Rauschen. Treibstoff war es sicher nicht.

Der Fehler, der durch die Fachpresse geistert

„Studien mit rund 120mg Laktat pro kg Körpergewicht zeigten Verbesserungen in Time-to-exhaustion-Tests.“

Diese Aussage findet sich in mehreren deutschsprachigen Artikeln, unter anderem in Beiträgen, die aktuell zu diesem Thema ganz oben ranken. In der PubMed-Literatur ist sie nicht auffindbar. Die eine publizierte Arbeit, die genau diese Dosis eingesetzt hat, ist Bordoli et al. 2024 – und die kam zum gegenteiligen Ergebnis. Wer diesen Satz weiterträgt, hat die Studie nicht gelesen, sondern die Zusammenfassung einer Zusammenfassung.

Datenlage realistisch bewertet

Bereich Bewertung
Laktat-Shuttle als Physiologie belegt 95/100
MCT-Transporter existiert 95/100
Laktat wirkt alkalisierend / puffernd 80/100
Anstrengungsempfinden sinkt 70/100
Technische Formulierungsleistung 75/100
Leistungssteigerung belegt 15/100
Zieldosis über das Produkt erreichbar 35/100
Verfügbarkeit im Handel 5/100

Die Puffer-These

Legt man beide Studien nebeneinander, fällt ein Muster auf, das in der übrigen Berichterstattung nirgends benannt wird:

Säure-Basen-Lage verändert sich → Anstrengungsempfinden sinkt → Leistung folgt nicht zuverlässig.

Das ist nicht die Signatur eines Brennstoffs. Ein Brennstoff wirkt dosisabhängig: mehr Substrat, mehr verfügbare Energie, länger durchhaltbare Leistung. Was hier zu sehen ist, ist die Signatur eines Puffers – und zwar exakt dieselbe, die man von Natriumbikarbonat kennt: messbare Verschiebung der Säure-Basen-Lage, gesenktes Anstrengungsempfinden, inkonsistente Leistungseffekte, gastrointestinale Nebenwirkungen.

Arbeitsthese – ausdrücklich These, nicht Fakt

Exogenes Laktat wirkt – wenn es wirkt – wahrscheinlich als milder alkalisierender Puffer und nicht als dritter Energiepfad.

Das würde erklären, warum die beobachteten Effekte klein, inkonsistent und weitgehend dosisunabhängig sind: Ewell fand mit 1,4g einen Zeitfahr-Effekt, Bordoli mit der sechsfachen Menge keinen. Für einen Brennstoff wäre das unerklärlich. Für einen Puffer ist es das erwartete Bild.

Diese These ist nicht belegt. Sie ist die aus unserer Sicht plausibelste Lesart der vorhandenen Daten – und sie ist überprüfbar, sobald jemand exogenes Laktat direkt gegen Natriumbikarbonat testet. Diese Studie fehlt bis heute.

Eine kleine Ironie am Rand: Im Handel kursieren bereits Produkte unter dem Namen „Lactate Buffer“, die gar kein Laktat enthalten, sondern Natriumcitrat oder Bikarbonat. Sie werden regelmässig mit Laktat-Gels in einen Topf geworfen. Falls die Puffer-These stimmt, wäre diese Verwechslung erstaunlich nah an der Wahrheit – nur eben aus dem falschen Grund.

Das eigentliche Problem: die Formulierung

Wer schon einmal Natriumlaktat pur probiert hat, weiss, warum dieses Produkt so lange auf sich warten liess. Freies Laktat schmeckt salzig-mineralisch bis leicht fermentiert – und es belastet bei höheren Dosen die Magen-Darm-Verträglichkeit. Ausgerechnet dort, wo Ausdauersportler ohnehin ihre grösste Schwachstelle haben.

Die Laktat-Formen im Überblick

Form Eigenschaften Herausforderung
Natriumlaktat gut löslich, liefert zusätzlich Natrium salziger Geschmack, hohe Natriumlast bei alleiniger Nutzung
Kaliumlaktat gut löslich, kann das Elektrolytprofil ausbalancieren Kaliumzufuhr muss mitgerechnet werden
Calciumlaktat meist Pulver, weniger salzige Note mineralisch-körniger Geschmack, technisch anspruchsvoll im Gel
Milchsäure Säuerungsmittel erhöht die Säure im Geschmack deutlich, keine sinnvolle Laktatquelle

Mikroverkapselung ist der aktuell verfolgte Lösungsansatz, um Geschmack und Verträglichkeit zu entkoppeln. Der Ansatz ist früh – und er erhöht Kosten und Osmolalität, zwei Grössen, die bei einem Wettkampfgel ohnehin am Limit laufen.

Dazu kommt eine Grösse, die in der Diskussion völlig untergeht: die Osmolalität. Jedes gelöste Teilchen im Gel erhöht sie, und eine hohe Osmolalität verlangsamt die Magenentleerungsrate und zieht Wasser ins Darmlumen. Laktat-Salze zerfallen in Lösung in zwei Teilchen – Anion und Kation. Wer 5g Laktat als Salz zusetzt, addiert osmotisch aktive Teilchen zu einer Matrix, die bereits 40g Kohlenhydrate transportieren muss. Genau das ist der wahrscheinlichste Grund für die gastrointestinalen Nebenwirkungen bei Bordoli.

Für wen ist das relevant?

Ehrliche Antwort: für sehr wenige. Das Konzept ergibt dort Sinn, wo die stündliche Kohlenhydratzufuhr tatsächlich bereits ausgereizt ist – Langstrecken-Rennrad auf WorldTour-Niveau, Gravel-Langdistanz, Ultratriathlon, Ultratrail. Wer 120g Kohlenhydrate pro Stunde sauber verträgt und trotzdem weiter nach oben will, hat ein echtes Problem, für das es bisher keine Lösung gibt. Für genau diese Gruppe ist der dritte Transportweg eine interessante Idee.

Für alle anderen bleibt die Basis unverändert: eine trainierte Kohlenhydratzufuhr aus Glukose und Fruktose im Verhältnis Carb-Ratio 1:0.8 bis 2:1, dazu Elektrolyte, dazu ein Darm, der das gelernt hat.

Und jetzt die unbequeme Wahrheit: Die meisten Amateure scheitern nicht am fehlenden dritten Transportweg. Sie scheitern daran, dass sie den zweiten nie ausgereizt haben. Wer mit 40g Kohlenhydraten pro Stunde ins Rennen geht, hat kein Laktat-Problem. Er hat ein Kohlenhydrat-Problem.

Selbsttest – nur gesicherte Fakten

Was brennt im harten Intervall tatsächlich im Muskel? (a) Das Laktat selbst, (b) Wasserstoff-Ionen aus der ATP-Hydrolyse – Laktat wirkt sogar leicht puffernd, (c) Der Sauerstoffmangel in der Zelle, (d) Milchsäure, die sich im Muskel ablagert

Richtig ist (b). Das Brennen stammt von Wasserstoff-Ionen aus der ATP-Hydrolyse. Laktat entsteht zeitgleich und wirkt sogar leicht puffernd – es wurde jahrzehntelang für die falsche Sache verantwortlich gemacht.

Transporter: Bei welcher Zufuhrrate ist SGLT1 gesättigt? (a) Rund 30g Glukose pro Stunde, (b) Rund 60g Glukose pro Stunde – darüber hilft nur ein zweiter Transporter, (c) Rund 120g Glukose pro Stunde, (d) SGLT1 sättigt nicht

Richtig ist (b). Bei rund 60g pro Stunde ist SGLT1 dicht. Deshalb braucht es Fruktose über GLUT5, um auf 90 bis 120g pro Stunde zu kommen – genau das ist der zweite Transportweg, der bereits funktioniert.

Was heute schon funktioniert

Applied Nutrition Tri-Carb Energy Gel 40g Apple Burst, einzelner Beutel mit Informed-Sport-Siegel – 40g Kohlenhydrate 1:0,8, 250mg NatriumApplied Nutrition Tri-Carb Energy Gel 40g – Sport Gel 1:0,8 – zum Produkt →

Der zweite Transportweg ist bewiesen, quantifiziert, dosierbar – und kaufbar. Das ist der ganze Unterschied zwischen einer interessanten Hypothese und einer Verpflegungsstrategie, die im Rennen trägt.

Direkter Vergleich: Hypothese gegen belegte Technologie

Kriterium ExoLactate TRI-CARB Energy Gel
Kohlenhydrate pro Beutel 40g 40g
Zusatz + 5g Laktat (Hypothese) Carb-Ratio 1:0.8 (belegt)
Kohlenhydratquellen nicht im Detail deklariert Maltodextrin, Fruktose, Highly Branched Cyclic Dextrin
Transportwege 2 belegt + 1 hypothetisch 2 belegt, voll ausgereizt
Elektrolyte deklariert Salzform nicht deklariert 250mg Natrium, 375mg Chlorid
Doping-Kontrolle nicht kommuniziert chargenweise Informed-Sport geprüft
Verfügbarkeit nicht im Handel ab Lager Schweiz

Kein Verriss: Der Mechanismus hinter dem Laktat-Gel ist echt und die Formulierungsleistung beachtlich. Nur ist das Versprechen im Moment grösser als die Datenlage – und die Verfügbarkeit gleich null.

Der zweite Transportweg, sauber ausgereizt

Das TRI-CARB Energy Gel arbeitet mit drei Kohlenhydratquellen im Verhältnis 1:0.8 und deklarierten Elektrolyten. Kein drittes Molekül, keine Hypothese – nur der Teil der Physiologie, der seit Jahren belegt ist, konsequent umgesetzt. Chargenweise Informed-Sport geprüft, ab Lager in der Schweiz.

Wer seine Zufuhrrate erst noch aufbauen will, findet in der Race Fuel Kategorie die passende Kombination aus Gel, Getränk und Riegel. Und weil dieser Artikel gezeigt hat, dass die Natriumbilanz bei hohen Zufuhrraten kein Nebenschauplatz ist: Die Natrium- und Mineralstoffversorgung gehört in dieselbe Planung wie die Kohlenhydrate.

Zum Thema exogenes Laktat: Wir beobachten die Entwicklung eng und prüfen laufend, ob und wann ein Laktat-Produkt sinnvoll ins Sortiment gehört. Der Massstab ist derselbe wie bei allem anderen: publizierte Daten, deklarierte Salzform, geprüfte Chargen. Sobald diese drei Punkte erfüllt sind, steht es hier. Vorher nicht.

Das Fazit in einem Satz: Laktat-Gels sind physiologisch interessant, technisch beachtlich und bleiben vorerst eine Beobachtungsposition – sie sind kein Grund, eine funktionierende Verpflegungsstrategie umzuwerfen, und schon gar keiner, sie nicht endlich sauber aufzubauen.

Deine Zufuhrrate ist der eigentliche Hebel

60, 90 oder 120g Kohlenhydrate pro Stunde – das entscheidet dein Rennen, nicht das neueste Molekül. Coach Claudio baut deine Verpflegung so auf, dass sie im Wettkampf hält.

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Häufige Fragen

Was ist ein Laktat-Gel?

Ein Laktat-Gel ist ein Sportgel, das neben Kohlenhydraten zusätzlich Laktat in Salzform enthält, meist als Natriumlaktat, Kaliumlaktat oder Calciumlaktat. Die Idee: Laktat wird über Monocarboxylat-Transporter aufgenommen und könnte einen dritten Aufnahmeweg neben Glukose und Fruktose öffnen. Die Produkte befinden sich in der Testphase.

Bringt Laktat wirklich mehr Leistung?

Belegt ist das nicht. Die methodisch beste kontrollierte Studie (Bordoli et al. 2024, 16 trainierte Radfahrer, 120mg/kg) fand keine Leistungsverbesserung – wohl aber eine verbesserte Säure-Basen-Lage und ein gesenktes Anstrengungsempfinden. Herstellerangaben von rund 8 Prozent Leistungsplus sind unpubliziert und stammen vom Entwickler selbst.

Ist Laktat schädlich oder ein Abfallprodukt?

Weder noch. Laktat entsteht auch unter vollständig aeroben Bedingungen fortlaufend und wird von Herz, Gehirn und oxidativen Muskelfasern als Energiequelle verwertet. Was im Intervall brennt, sind Wasserstoff-Ionen, nicht das Laktat – das wirkt sogar leicht puffernd. Der Begriff Laktat-Shuttle von George Brooks beschreibt genau das.

Ist ExoLactate im Handel erhältlich?

ExoLactate ist derzeit nicht frei im Handel. Das Produkt von From Lab to Field befindet sich in einer Testphase mit Profi-Teams, ein offizieller Endkundenpreis ist nicht kommuniziert.

Wo kann man Laktat-Gels in der Schweiz kaufen?

Aktuell praktisch nirgends regulär. Was in Schweizer Shops teilweise unter ähnlichem Namen erscheint, sind Puffer-Produkte mit Natriumcitrat oder Bikarbonat – die enthalten kein Laktat und gehören in eine andere Kategorie. Wir prüfen laufend, ob ein Laktat-Produkt mit publizierten Daten und deklarierter Salzform ins Sortiment gehört.

Wie viel Laktat pro Stunde ist sinnvoll?

Der Hersteller nennt 10 bis 25g pro Stunde. Rechnerisch ist nur die untere Hälfte erreichbar: Da ein Beutel 5g Laktat und zwangsläufig 40g Kohlenhydrate enthält, bedeuten 25g Laktat 200g Kohlenhydrate pro Stunde – eine Menge, die kein Darm verträgt. Bei 10g Laktat sind es 80g Kohlenhydrate und damit machbar.

Ersetzt Laktat die Kohlenhydrate im Gel?

Nein, es kommt zusätzlich dazu. Die 5g Laktat pro Beutel liefern rund 18 kcal, die 40g Kohlenhydrate rund 160 kcal. Selbst bei voller Zieldosis deckt das Laktat nur rund 7 bis 10 Prozent des Energiebedarfs einer harten Renneinheit. Der Motor bleiben die Kohlenhydrate.

Welche Teams fahren Laktat-Gels?

An der Tour de France 2026 waren mehrere Produkte im Einsatz: ExoLactate bei Lidl-Trek und der Enervit C2:1 Pro Lactate Gel Mix bei UAE. Die verbreitete Andeutung, ExoLactate sei „das Tour-Gel“, ist damit falsch – das dominierende Team fuhr ein Konkurrenzprodukt. Als drittes Produkt existiert Santamadre Lactate 60.

Was bewirkt Laktat im Körper?

Laktat ist eine Transportform von Energie. Es entsteht laufend im Kohlenhydratstoffwechsel und wird über den Blutkreislauf zu Herz, Gehirn und oxidativen Muskelfasern gebracht, dort zu Pyruvat umgewandelt und im Citratzyklus verbrannt. Zusätzlich dient es der Leber als Baustein für neue Glukose und wirkt als Signalmolekül.

Was macht zu viel Laktat im Körper?

Im Sport ist ein hoher Laktatwert Ausdruck hoher Intensität, nicht die Ursache der Ermüdung – dafür sind Wasserstoff-Ionen verantwortlich. Nach der Belastung wird Laktat innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden abgebaut. Eine krankhafte Laktatazidose entsteht nicht durch Training, sondern bei Sauerstoffmangel im Gewebe oder schweren Erkrankungen.

Was sagt der Laktatwert aus?

Der Laktatwert im Blut zeigt das Verhältnis von Laktatbildung zu Laktatverwertung bei einer bestimmten Belastung. In der Leistungsdiagnostik werden daraus Schwellen abgeleitet, die Trainingsbereiche abgrenzen. Entscheidend ist nicht der Einzelwert, sondern bei welcher Leistung er auftritt – und wie sich diese Kurve über Monate verschiebt.

Wie wird Laktat wieder abgebaut?

Über zwei Wege. Der grössere Teil wird direkt oxidiert: Herz, Gehirn und oxidative Muskelfasern nehmen Laktat auf und verbrennen es zu Energie. Der kleinere Teil geht in die Leber und wird dort über die Gluconeogenese wieder zu Glukose. Lockeres Ausfahren beschleunigt den Abbau, weil die Durchblutung hoch bleibt.

Quellen

Primärliteratur

  • Bordoli C. et al.: Effects of Oral Lactate Supplementation on Acid-Base Balance and Prolonged High-Intensity Interval Cycling Performance. J Funct Morphol Kinesiol, 2024. doi.org/10.3390/jfmk9030139
  • Ewell T.R. et al.: The Influence of Acute Oral Lactate Supplementation on Responses to Cycle Ergometer Exercise. Nutrients, 2024. doi.org/10.3390/nu16162624
  • Leija R.G. et al.: Enteric and systemic postprandial lactate shuttle phases and dietary carbohydrate carbon flow in humans. Nature Metabolism, 2024. doi.org/10.1038/s42255-024-00993-1
  • Brooks G.A.: The Science and Translation of Lactate Shuttle Theory. Cell Metabolism, 2018.

Fachpresse und Herstellerangaben

  • Produktvorstellung From Lab to Field / ExoLactate, 2026 – Zusammensetzung und Zieldosis
  • Cyclist: Lactate gels – what they are, how they work, which teams use them, Juli 2026
  • TOUR Magazin: Laktat-Gels als neues Superfuel?, Juli 2026
  • Outside / Velo: The Science of the New Lactate Fuel, Juni 2026

Hinweis zur Datenlage

  • In PubMed existiert nur eine Handvoll Humanstudien zu exogenem Laktat. Diese Dünne ist selbst ein Befund und wurde im Artikel entsprechend gewichtet.

Coach Claudio – Sports Nutritions Switzerland
Über 30 Jahre Praxis in Training, Wettkampf und Sporternährung · Rubigen bei Bern
sports-nutritions.com
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026

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