Kreatin — das Supplement, an dem es nichts zu optimieren gibt
Ladephase, Timing, Traubensaft, HCl statt Monohydrat, Zyklen mit Pause: Um Kreatin hat sich eine ganze Optimierungsindustrie gebaut. Fast alles davon ist überflüssig. Was tatsächlich zählt, sind zwei Dinge — und beide kosten dich keinen Rappen mehr.
Kreatin wirkt über gesättigte Speicher, nicht über einen Einnahmemoment. Es gibt keine Spitzenkonzentration, die du treffen musst, und keinen Effekt, den du verpasst, wenn du es abends statt nach dem Training nimmst. Die zwei einzigen Variablen, die messbar etwas ändern: die Form — Monohydrat — und ob du es wirklich jeden Tag nimmst. Der Rest ist Beschäftigungstherapie.
Kreatin ist eine körpereigene Verbindung aus Arginin, Glycin und Methionin. Rund 95 Prozent des Bestands liegen im Skelettmuskel, überwiegend als Phosphokreatin. Dessen Aufgabe ist simpel und brutal schnell: Es gibt eine Phosphatgruppe an ADP ab und macht daraus wieder ATP — in Millisekunden, ohne Sauerstoff, ohne Umweg über den Stoffwechsel.
Genau deshalb wirkt Kreatin dort am stärksten, wo es um Sekunden geht: schwere Sätze, Sprints, wiederholte explosive Belastungen. Ein voller Phosphokreatinspeicher bedeutet ein bis zwei zusätzliche Wiederholungen pro Satz. Über Monate summiert sich das zu deutlich mehr Trainingsvolumen — und Volumen ist der Treiber von Hypertrophie. Kreatin baut keinen Muskel auf. Es lässt dich das Training absolvieren, das ihn aufbaut.
Der Tagesumsatz liegt bei ein bis drei Gramm. Ein Teil wird körpereigen gebildet, der Rest kommt aus Fleisch und Fisch — rund vier bis fünf Gramm pro Kilogramm rohes Fleisch. Wer wenig oder kein Fleisch isst, startet mit deutlich leereren Speichern und spürt die Aufsättigung entsprechend deutlicher.
Der unterste Balken steht auf 5, und das ist wichtig. Kreatin verbrennt kein Fett. Es speichert Wasser in der Muskelzelle, was auf der Waage in den ersten Wochen ein bis zwei Kilo ausmacht — nach oben. Wer in einer Diät steckt und das nicht weiss, hält sich für gescheitert und setzt ab. Genau falsch: In einer Diät ist Kreatin eines der wenigen Mittel, das hilft, Kraft und damit Muskulatur zu halten.
Und noch etwas Unbequemes: Nicht jeder reagiert. Etwa jeder Vierte bis Fünfte zeigt kaum einen Anstieg des Muskelkreatins — meist Leute, deren Speicher durch viel Fleisch ohnehin fast voll sind, oder solche mit einem niedrigeren Anteil schneller Muskelfasern. Wenn du nach acht Wochen bei täglicher Einnahme nichts merkst, liegt das nicht an der Marke und nicht an der Ladephase. Dann gehörst du wahrscheinlich zu dieser Gruppe.
Ladephase optional: 20 g auf vier Portionen verteilt, 5 bis 7 Tage, danach 5 g
Endergebnis: In beiden Fällen identisch — die Ladephase spart nur Zeit
Was untersucht wurde: Eine kleine Studie mit 19 Teilnehmern fand einen leichten Vorteil für nach dem Training — der Unterschied war klein und wurde nie sauber bestätigt
Was wirklich zählt: Dass du es nicht vergisst
Ab 50: Zunehmend interessant, weil Kreatin in Kombination mit Krafttraining dem altersbedingten Muskelabbau entgegenwirkt
Frauen: Identische Wirkung, identische Dosis. Der Mythos vom „massigen" Aussehen hat keine Grundlage — die Wassereinlagerung ist intrazellulär
Fürs Gehirn: Hier braucht es mehr als 5 g, weil die Blut-Hirn-Schranke Kreatin nur begrenzt durchlässt
Mit Koffein: Eine ältere Studie fand eine Abschwächung, spätere Arbeiten nicht. Der Punkt gilt als ungeklärt, in der Praxis unproblematisch
Mit Beta-Alanin: Sinnvoll und komplementär — Beta-Alanin erhöht Carnosin, das Protonen abpuffert, während Kreatin die schnelle Energiebereitstellung liefert
Mit Kohlenhydraten: Verbessert die Aufnahme geringfügig. Bei normaler Ernährung irrelevant
Auffällig am Rechner: Das Körpergewicht ändert wenig. Das ist beabsichtigt. In der Literatur wird die Erhaltungsdosis entweder pauschal mit drei bis fünf Gramm angegeben oder mit etwa 0,03 Gramm pro Kilogramm — bei achtzig Kilo also 2,4 Gramm. Fünf Gramm liegen komfortabel darüber und decken praktisch jeden ab. Nur sehr schwere Athleten mit viel Magermasse profitieren von mehr.
Wer irgendwo eine Formel mit 0,05 bis 0,07 Gramm pro Kilogramm liest: Die steht in keiner Quelle, die das belegt. Kreatin ist kein Wirkstoff, bei dem Feinjustierung etwas bringt — der Speicher ist irgendwann voll, und alles darüber verlässt den Körper über die Niere.
| Form | Kreatinanteil | Studienlage | Löslichkeit | Preis | Sinnvoll? |
|---|---|---|---|---|---|
| Monohydrat, mikronisiert | ~88% | Sehr umfangreich | Gut | Günstig | Erste Wahl |
| Monohydrat, normal | ~88% | Sehr umfangreich | Mässig, setzt sich ab | Am günstigsten | Gleichwertig wirksam |
| Creapure | ~88% | Wie Monohydrat | Gut | Teurer | Nur für Reinheitsnachweis |
| Kreatin-HCl | ~78% | Dünn | Sehr gut | Deutlich teurer | Kein belegter Vorteil |
| Kre-Alkalyn | ~88% | Zeigt keinen Vorteil | Gut | Teurer | Nein |
| Kreatin-Ethyl-Ester | ~82% | Zeigt Unterlegenheit | Gut | Teurer | Nein |
| Kreatin-Nitrat | ~66% | Sehr dünn | Sehr gut | Teurer | Nein |
Das Fazit in einem Satz: Kauf mikronisiertes Monohydrat, nimm fünf Gramm täglich, hör nicht auf, und ignoriere alles andere — die Ladephase, das Timing, den Traubensaft und jede Form, die teurer ist als Monohydrat. Kreatin ist das einzige Supplement im Regal, bei dem der billigste Weg gleichzeitig der beste ist.
500 g. 100 Portionen. 30 Rappen pro Tag.
Applied Nutrition Micronized Creatine — mikronisiertes Monohydrat, feine Vermahlung für bessere Löslichkeit und weniger Grieseln im Glas. Die Form, die alle Studien untersucht haben, in der angenehmsten Verarbeitung.
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- Kreider R.B. et al., J Int Soc Sports Nutr 2017 — Positionspapier der ISSN zu Sicherheit und Wirksamkeit von Kreatin
- Hultman E. et al., J Appl Physiol 1996 — Aufsättigung mit und ohne Ladephase, identischer Endzustand
- Syrotuik D.G. & Bell G.J., J Strength Cond Res 2004 — Responder- und Non-Responder-Profile
- Spillane M. et al., J Int Soc Sports Nutr 2009 — Kreatin-Ethyl-Ester im Vergleich zu Monohydrat
- Jagim A.R. et al., J Int Soc Sports Nutr 2012 — gepuffertes Kreatin (Kre-Alkalyn) ohne Vorteil
- van der Merwe J. et al., Clin J Sport Med 2009 — DHT-Anstieg bei Rugbyspielern, Ursprung des Haarausfall-Mythos
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